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Kulturviertel Zsolnay

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Über Kulturviertel Zsolnay

Im südtransdanubischen Gebiet Ungarns, zwischen Hügeln und Wäldern liegt Pécs. Die südländisch wirkende Stadt war 2010 Kulturhauptstadt Europas, und zweifelsohne blieb sie bis heute. Von den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt ist das 2014 für Hungaricum erklärte Kulturviertel Zsolnay am meisten bemerkenswert.

Hir lebte und wirkte die von ihren Porzellan- und Keramikprodukten berühmt gewordene Familie Zsolnay im 19-20. Jh. Auf dem Auf dem Gelände der weltberühmten Keramikfabrik lebt das Kulturerbe der Zsolnays auf einem wunderschön wiederhergestellten, 5 ha großen Gelände weiter. Insgesamt 15 denkmalpflegerisch geschützte Gebäude und 88 Zsolnay-Statuen schmücken die malerischen Parkanlagen und Promenaden, geschweige denn die gemütlichen Cafés, Handwerkerläden und und Hochqualitätsrestaurants.

Im Kulturviertel wurden die unikalen Ausstellungen untergebracht, die das Kulturerbe der Zsolnays vorzustellen haben. Aus den USA kehrte die Kunstsammlung von Dr. László Gyugyi zurück, die eine aus über 600 Keramikgegenständen bestehende Kollektion darstellt, die u. T. „Das goldene Zeitalter der Zsolnay-Fabrok“ ausgestellt wird. Die frühesten Produkte der Zsolnay-Fabrik, etwa 1200 Gegenstände sind in der sogenannten Pink-Ausstellung verfügbar. Die beiden Exhibitionen werden durch die Ausstellung über die Geschichte der Familie Zsolnay und ihre Fabrik ergänzt. Auf einem Hügel am Kulturviertel kann das Zsolnay-Mausoleum, die Ruhestätte der Familie in seiner ursprünglichen Pracht besichtigt werden, wo 42 Löwen das Geheimnis der Eosin beschützen. 

Neben der Bewahrung der Vergangenheit wird auch der Vorstellung der Gegenwart und der zeitgenössischen Kunst auch viel Raum gegeben. Dafür sind die Galerie m21 Pécs und der Konzertsaal E78 da, wo Jazz-, Rock und Popkonzerte, sowie Theaterauffürhungen für die Unterhaltung sorgen. Die Besucher können in der Straße der Läden unikale Lokalprodukte kaufen. Auch für die Kinder bietet das Kulturviertel nicht wenig: es stehen Freilichtspielplätze, das als interaktiver Zauberraum erstellte Labor, das Planetarium, die spektakuläre Physikexperimente vorstellende Zauberuhr, das Pupentheater Bóbita, die Keramikfärberei, und die Beschäftigungen der Herakles-Werkstatt zur Verfügung. 

Die wiedererwachte Legende von Pécs erwartet die Besucher ganzjährig!

Geschichte


Mit dem Erwerb des Titels der Kulturhauptstadt Europas erhielt Pécs einehervorragende Option, mit Förderung der EU grundlegende Investitionen im kulturellen, geistigen und künstlerischen Leben der Stadt zu veranlassen. 

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Im Rahmen dieses Projekts entstand das Kulturviertel Zsolnay seine endgültige Gestalt im Dezember 2011 gewonnen hat. Im Laufe der 11 Mrd. Forint betragenden Investition wurde das ganze Fabrikgelände und Wohnresidenz der Zsolnays wiederhergestellt, was die größte Industriebaudenkmal-Rekonstruktion in Ostmitteleuropa darstellte. Als Ergebnis entstand auf 5 ha Fläche, mit Erneuerung von 40 000 m2 Bausubstanz eines der größten Kulturzentren Ungarns.

Die Bauarbeiten begannen 2009, die einzelnen Gebäude wurden ab 2010 kontinuierlich übergeben. Zunächst, im September 2010 konnte die Gyugyi-Sammlung in der sanierten Sikorski-Villa untergebracht werden, die u. T. „Das goldene Zeitalter der Zsolnay-Fabrik“ ausgestellt wird, in der die Porzellan-Unikate der der Fabrik vorgestellt werden. Danach wurde die etwa 45 m lange Fußgängerbrücke errichtet, die die südlichen und nördlichen Teile des Zsolnay-Viertels verbindet, und es begann die Rekonstruktion des Zsolnay-Mausoleums. Das Puppentheater Bóbita ist zur größten Freude der Kinder schon ab 2011 im Zsolnay-Viertel tätig, vom demselben Jahre an sind das Labor – Interaktiver Zauberraum, sowie das Planetarium verfügbar. Die in in der Altstadt befindliche Galerie Pécs wurde um einen neuen Ausstellungsort im Kulturviertel, die extrem großen Ausstellungsraum bietende und als Galerie Pécs m21 bezeichnet ergänzt, Zum angenehmen Aufenthalt trägt das an der südlichen Seite der Zsolnay Straße errichtete Parkhaus bei. In der letzten Bauphase wurden das neue Gebäude des einstigen Jugendhauses, das Gebäude E78 fertiggestellt, sowie das Universitätsviertel aufgebaut, in dem die Fakultät für Musik und Darstellende Kunst, sowie die Institute für Medienwissenschaft und Soziologie der Universität untergebracht wurden.

Das Kulturviertel Zsolnay wird von Tausenden von Touristen aus allen Ecken der Welt besucht, da die Zsolnay Fabrik, bzw. ihre industrielle künstlerische, kulturelle Ausstrahlung und Kulturerbe sowohl bei der Entfaltung der Kunstgewerbe-Kultur in Ungarn als auch bei der modernen urbanen Entwicklung der Stadt bedeutende Rolle hatte. Durch Unterbringung verschiedener kultureller, Unterhaltungs-, gastronomischer und Bildungsfunktionen wurde das Gelände zu einem lebhaften Kulturviertel. Sogar, als Anerkennung für seine hervorragende bau- und industriehistorische Bedeutung, einzigartige Komplexität wurde es am 16 Mai 2014 für Hungaricum erklärt.

Aber wie sah das Leben hier im Anfang aus?

Die Zsolnay-fabrik und die Familie


Die Entstehung der Zsolnay-Fabrik geht auf das Jahr 1851 zurück. In jenem Jahre erwarb Miklós Zsolnay der Ältere das erste Grundstück, auf dem eine Ziegelbrennanlage und Tongrube standen, nachdem sein Sohn, Ignác ein Jahr in Lukafa verbracht hatte, um die Herstellung von Tonwaren zu studieren.

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Das Zeitalter der Fabrikgründung

1853 begann die Produktion in der Tonmanufaktur der Zsolnays, die am 25. April 1853 von Miklós Zsolnay seinem Sohne, Ignác überlassen wurde.

Ignác leitete die kleine Manufaktur jahrelang, aber er war wegen finanzieller Schwierigkeiten auf die Kredite seines als Kaufmann tätigen Bruders, Vilmos Zsolnay (1828-1900) angewiesen. Vilmos trat später als stiller Teilhaber der Fabrik bei, um seinem Bruder helfen zu können, der jedoch ein Jahr später das Land verlassen hat, wodurch Vilmos die Unternehmung übernehmen musste.

Vilmos Zsolnay (1828-1900) übernahm die Betriebsleistung 1865 mit 37 Jahren, ohne jegliche Fachkenntnisse und Fachbildung. Vorher wurde er in Wien ausgebildet, anschließend hat er in deutschen Städten als Kaufmannsgeselle gearbeitet. In seiner Jugend hatte er künstlerische Ambitionen, er malte und zeichnete geschickt, nach Überredung seiner Eltern trat er jedoch kaufmännische Karriere an.

Seine Mutter, Teréz Ballay war Vilmos Zsolnays bedeutendste Vertraute, auf die er sich immer verlassen konnte. Sie hatten ein besonders gutes Verhältnis zueinander, die Mutter wurde Vilmos’ größte Helferin. Vilmos hatte keine Fachkenntnisse, daher war er am Anfangen auf Andere hingewiesen: für die meistens aus dem Ausland hergekommenen Arbeiter ließ er in den um die Fabrik herumliegenden Straßen ( an den heutigen Felsővámház, Major, Felső- und Alsóbalokány Str., sowie in manchen Gebäuden, die heute in der Straße der Handwerker stehen) Wohnungen bauen. Vilmos erkannte ganz früh, dass sein kleiner Betrieb erst dann erfolgreich wird, wenn er ständig und in großen Etappen entwickelt wird. Jede geschäftliche Aktivität von Vilmos wurde der Idee der Betriebsentwicklung untergeordnet. Er brauchte geistiges und materielles Kapital, Er ließ sich fortbilden, da die Welt der Keramik für ihn unbekannt war.



Die Entwicklung der Zsolnay-Fabrik

Vilmos Zsolnay erkannte die Nachfrage sehr schnell, und er erwarb sich in allen Bereichen der Keramikindustrie mit seinen innovativen Lösungen und eigenen Erfindungen Positionen. Ein einfacher Töpfer zu werden, befriedigte ihn nicht, von Anfang an wollte er mehr erreichen. Zunächst vermischte er örtlichen Grundstoff mit Fremdstoffen, er versuchte für alles ein Herstellungsrezept zu finden, und er wollte die dazu notwendigen Materialien selbst herstellen. Mit seinen Rechnungen, Aufzeichnungen beschäftigte er sich in seinem im Dachboden befindlichen Arbeitszimmer.

Der Betrieb beschäftigte zunächst 20-25 Mitarbeiter, die bis 1871 von fremden, vor allem von deutschen Betriebsleitern gelenkt wurden. Zsolnay lernte eine Menge von ihnen, aber beinahe alle Kooperationsversuche endeten mit Enttäuschung. Vilmos erkannte, dass Ergebnisse mit kontinuierlicher Forschung, Entwicklung und der Gewährung einer hochwertigen Qualität erreicht werden kann, daher zielte er ab, Keramik-Kunstgegenstände von hoher Qualität herzustellen.

1868 hatte die Fabrik nur noch zwei Abteilungen, die Schamotte- und Steintopffabrik, in der letzteren wurde auch Fayence hergestellt. 1895 wurde die Steintopffabrik in zwei Betriebe unterteilt: es entstanden der Fayence- und der Porzellanbetrieb. 1885 wurde der Rohrbetrieb, 1886 die Kachelofen-Fabrik, dann 1895 die Pyrogranit-Fabrik eröffnet.
Um Expertise an Arbeitskraft zu gewähren, stellte Vilmos Zsolnay innerhalb der Fabrik eine Ausbildungsstätte auf, deren Schüler meistens die Söhne der Arbeiter darstellten. Die Arbeiter waren nicht selten generationenlang bei der Zsolnay-Fabrik tätig.

Die anfangs nur ein paar Arbeiter beschäftigende kleiner Manufaktur wurde von Vilmos Zsolnay bis zur Jahrhundertwende zur größten Keramikfabrik Österreich-Ungarns etabliert, in der beinahe zweihundert Menschen angestellt waren. Zu den Ergebnissen trug Zsolnays harte Arbeit wesentlich bei. 



Wichtige Stationen

Die Wiener Weltausstellung 1873 brachte Erfolg. Fachpreisrichter wurden durch das Produktsortiment des Pécser Töpfermeisters beeindruckt, und Zsolnay wurde mit Bronzemedaille ausgezeichnet und mit einer Urkunde anerkannt, und vom König erhielt er den Franz-Josef-Orden. Es eröffneten sich für ihn die internationalen Märkte, und seine an der Wiener Weltausstellung erworbenen Erfahrungen richteten Vilmos’ Aufmerksamkeit auf die Experimente mit Hochbrandglasuren.

Von nun an gab es keinen Halt mehr. Als Ergebnis des ständig im Labor tätigen Vilmos Zsolnay entstand seine erste Keramikerfindung, die Porzellanfayence-Technik, die sowohl bei Gebrauchs- als auch Kunstgegenständen angewandt wurde. Die Fayence ist ein mit Glasur dekorierter Gegenstand, dessen Saftaufnahmefähigkeit zwischen 5-10% liegt. Porzellan ist ein über 0,5% Saftaufnahmefähigkeit verfügendes Material, das mit Farbe dekoriert wurde. Das Novum der Porzellan-Fayence von Zsolnay besteht darin, dass er auf ein mit früherer Porzellantechnik hergestellte Korpus mit Fayence-Technik dekorierte (also mit Glasur anstatt Farbe). Das Material des Gegenstandes mit der Glasur und den aufgebrachten Farben wurde mit dem sogenannten Scharffeuerbrennen, also mit einer Brenntechnik auf extrem hohem Hitzegrad verarbeitet. 

Zsolnay vertrat sich auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1878 bereits mit diesen Produkten. Die fachkundigen Preisrichter wollten ihren eigenen Augen nicht glauben: sie bezweifelten, dass die Gegenstände mit blei- oder boraxfreien Glasuren hergestellt wurden. Miklós Zsolnay (der Sohn von Vilmos Zsolnay) warf einen Ausstellungsgegenstand mit jugendlichem Ungestüm auf den Boden, um dessen Scherben der zweifelnden Kommission zwecks chemischer Analyse zu überreichen. Erst nach umfangreichen und gründlichen chemischen Untersuchungen wurde anerkannt, dass die von Zsolnay angewandte Glasur tatsächlich bleifrei ist. Die Anerkennung blieb nicht aus: Zsolnay wurde mit Goldmedaille und dem Französischen Ehrenorden ausgezeichnet.

Die neue Technik öffnete den Weg zur Entwicklung des künstlerischen Niveaus seiner Produkte und zur Entfaltung seines eigenartigen Stils. Der Zsolnay-Stil lehnte sich außer ungarischen Motiven grundlegend auf persischen und der türkischen Iznik-Keramik an, und beruhte an der Designarbeit seiner Tochter Julia Zsolnay.

Zur Zeit der Entstehung der Porzellanfayence-Technik, im Jahre 1877 wurde das Wahrzeichen von Júlia Zsolnay entworfen, das dann für Jahrzehnte der Werbung und Popularisierung der Fabrik diente. Neben den fünf Türmern, die auf die deutsche Bezeichnung von Pécs (Fünfkirchen) wiesen die drei Buchstaben auf die Initialen der Vornamen der drei Zsolnay-Kinder (Teréz, Júlia und Miklós) hin.

„Ich war nie durch Profitsucht oder Ehrgeiz getrieben. Du weißt sehr gut, dass ich mich weder nach Geld noch nach etwas Anderem sehne. Ich werde durch innere Zwang zur Arbeit und zum Schaffen angeregt, das hat immer für mich das Leben bedeutet“ (Exzerpt aus dem Brief von Vilmos Zsolnay an seinen Bruder, Ignác). 



Die Pyrogranit- und die Eosin-Technik

Pyrogranit ist die Erfindung von Vilmos Zsolnay, die durch kontinuierliche Entwicklung des Baukeramikstoffes entstanden ist, damit kostbare Steinreliefs auf Fassaden historisierender Gebäude ersetzt werden. Es handelt sich hierbei um auf hohem Brandgrad gebrannten Baukeramik, deren körnige Struktur an Sandstein erinnert. Ohne oder mit verschiedenen Glasuren (Majolika, Eosin, Salzglasur) kann sie sowohl in Außen- als auch in Innenräumen angewandt werden. In der Zsolnay-Fabrik wurde der Pyrogranitbetrieb 1895 errichtet.

Eosin beruht auf einer reduzierten Lüstertechnik, die von den Persern im 7. Jh. bereits angewandt worden war. Es handelt sich also nicht um eine nagelneue Erfindung, sondern um die Weiterentwicklung eines Verfahrens, das auf eine längere Vergangenheit zurückgreift. Im Laufe der Weiterentwicklung wurde von Zsolnay eine einzigartige Vielfalt an Varianten erarbeitet. Das 1891 begonnene fünfte Rezeptbuch von Zsolnay enthält zwischen 1-18 die Rezepte des Chemikers Vince Wartha, eines der Professoren der Budapester Technischen Universität, zwischen 18-53 befinden sich in ihm Zsolnays eigene Forschungsergebnisse.

Zsolnay und Wartha waren außer der Arbeitsbeziehung auch durch gegenseitige Anerkennung und Freundschaft verbunden. Die Eosin-Technik stellten sie auf der 1896 veranstalteten Nationalen Millenniumsaustellung als ihre gemeinsame Erfindung vor. 



Familie, gesellschaftliches Leben


Vilmos mochte das Gesellschaftsleben sehr, er verbrachte die Zeit gerne mit seiner Familie und den Freunden seiner Kinder. Er veranstaltete oft kleinere Treffen, da er Humor, gute Unterhaltungen und scharfe Diskussionen mochte. Mit der Zeit erweiterte sich die Gesellschaft um ihn herum um die Akteure, die zeitweilig in der Zsolnay-Fabrik tätig waren.

Es war hier ein großes Künstleratelier tätig, das von Teréz Zsolnay zusammengehalten wurde. Die „Neuankömmlinge“ in der Familie wurden auch schnell in den Dienst der Fabrik aufgenommen. So war es mit dem Geologen Jakab Mattyasovszky, der Teréz 1880 auf einem Faschingsball kennenlernte und sie heiratete, und in der Fabrik mit Ermitteln und Analyse von Materialien beauftragt wurde. Die jüngere Tochter von Teréz, Julia Zsolnay machte sich als Malerin Namen. 1883 heiratete sie Tádé/Tadeusz Sikorski, einen polnischen Architekten, der ein Jahr früher in Pécs zwecks Studienreise in die Fabrik gekommen war. Er wurde zum Designer, später zum künstlerischen Direktor der Fabrik. Zahlreiche Kunstkeramiken stellen das Ergebnis der gemeinsamen Arbeit des Ehepaares dar. Julia Zsolnay war für die Dekorarbeiten, Sikorski dafür für Formentwerfen zuständig.

Ab 1880 lebte und wirkte die ganze Familie hier. Die Zsolnay-Töchter (Teréz und Júlia) beteiligten sich am Designen, während Miklós die Arbeit seines Vaters unterstützte und die Handelsbeziehungen abwickelte. Der von seinen Zeitgenossen als der größte Töpfer Ungarns genannte Vilmos Zsolnay fertigte zwar eigenhändig nur einige Gegenstände ab, aber seine Spontaneität, Schaffungswunsch, sein Praktische, Vielseitigkeit, prägnante Persönlichkeit trug dazu bei, dass er seine Kräfte vervielfachen konnte: seine Berufung und Glaube hat auf alle gewirkt.



Die Wohnresidenz und die Parkanlage


In den auf dem Fabrikgelände stehenden Gebäuden lebte die Familie. Im Untergeschoss des Gebäudes, in dem heute die Ausstellung über die Geschichte der Familie und der Fabrik untergebracht ist, experimentierte Vilmos Zsolnay mit den neuen Produktionsverfahren und Herstellungstechniken, Materialien. Im Erdgeschoss und im Obergeschoss wurde die Wohnresidenz ausgestaltet.

Vilmos Zsolnay war begeisterter und gewandter Gärtner, der besonders im Bereich des Melonenanbaus Erfolge aufzeigen konnte, aber seine Rosen waren auch ziemlich gut bekannt. In den 1860-1870-er Jahren betrieb er auf dem Fabrikgelände mithilfe eines deutschen Fachmannes eine Handelsgärtnerei. In den 1880-er Jahren wurden hier Weintrauben angebaut, und ein Gemüsegarten betrieben, in dem Artischocke und Spargel angesät wurden. Der Hang unterhalb des „Grünen Hauses“ (heute Puppentheater) wurde mit Rosenbüschen bepflanzt. In der Zwischenkriegszeit wurden zwei künstliche Teiche errichtet, die mit Teichrosen besiedelt wurden. Vilmos Zsolnay errichtete ferner ein Gewächshaus, das sogar in den Jahrzehnten nach der Verstaatlichung den Garten mit Dauergewächsen besorgt werden konnte.


Ende des 19. Jhs.

Die Aktivität der Zsolnay-Fabrik erreichte ihren Höhepunkt in den letzten Jahren des 19. Jhs., im Zeitalter des Jugendstils. Damals wurden in der mit 9 Riesen- und 15 kleineren Öfen tätigen Fabrik bereits 700 Arbeiter beschäftigt. Es waren hier nicht nur einstige Dorftöpfer, sondern böhmische, deutsche und mährische Fachleute und ihre Kinder, die hier ausgebildet worden waren.

Die Zsolnay-Kunstgegenstände wurden auf mehreren internationalen Ausstellungen vorgestellt, sie erhielten zahlreiche Preise. Durch eigene Handelsvertretungen, Marktbeziehungen, feste fachliches und gesellschaftliches Renommee gekennzeichnet, was sich jedoch bereits mit dem Namen von Miklós Zsolnay verbindet.


Miklós Zsolnay an der Spitze der Fabrik

Nach dem Tod von Vilmos Zsolnay (1900) wurde die Fabrik von seinem Sohn, Miklós Zsolnay weitergeführt, der sich als Geschäftsführer bislang mit Handelsangelegenheiten beschäftigte. Er war ein gut aussehender, gut gebildeter, mehrere Fremdsprachen beherrschender angenehmer Mensch, der hervorragende Beziehungen hatte. Seine unglaubliche Energie teilte er zwischen der Geschäftsführung und seinen anderen Aktivitäten. Mit seinem Namen sind bedeutende Aufträge und Investitionen der Firma verbunden, geschweige denn das goldene Zeitalter der Fabrik, das die Unternehmung seinem mit gutem Geschäftssinn ausgestatteten Erben zu verdanken hat. Als Höhepunkt seiner Erfolge ist die Veranstaltung der Nationalen Gewerbeausstellung im Jahre 1907 zu betrachten.

1990 stellte sich die Zsolnay-Fabrik auf der Pariser Weltausstellung mit einer ganz neuen Kollektion vor. Die Zsolnay-Fabrik zeigte neue Produkte auf, mit denen sie nicht den Bedarf des Publikums bedienen wollten, sondern die Käuferansprüche umformen wollte. Die mit mehreren Farben dekorierten, mit verschiedenen Glasurtechniken angefertigten Jugendstil-Gegenstände der Fabrik haben absolute Anerkennung erlebt. Der Jugendstil strebt sich danach, sich von der historischen Vergangenheit zu entfernen, und neue Formen, die den Schwung des modernen Lebens zum Ausdruck bringen, zu schaffen: zu den frei strömenden Formen tragen auch stilisierte Motive der Pflanzenwelt bei.

Miklós Zsolnay wandte einen bedeutenden Teil seiner Einkünfte zu gemeinnützlichen Zwecken auf. Unter seiner Leitung verlegte sich die Produktion in Richtung Baukeramik und Isolatoren. Obwohl er selbst junge Kunstgewerbler einlud, damit sie ihm während der Vorbereitungen zur Pariser Weltausstellung bei der Bekanntmachung des Jugendstils zur Hilfe wurden, konnte er klar einsehen, dass die Nachfrage für Kunstgegenstände immer wieder abnahm.

Unter der Leitung von Miklós Zsolnay erwarb sich die Fabrik bis auf die Porzellanherstellung in allen Bereichen der Keramikindustrie führende Positionen in Österreich-Ungarn. Es wurde Kachelofen, Schamotte- und Hartbrandstein, Boden- und Baukeramik, Steintonröhren, Porzellanisolatoren, Gebrauchsgefäße, Gesundheitswaren und selbstverständlich künstlerische Porzellanfayence- und Eosin-Gegenstände, die das Wahrzeichen der Marke darstellten. 

Miklós Zsolnay erreichte alle seiner wichtigen Ziele: er kaufte seine Konkurrenten auf, und erreichte führende Position auf dem Markt, das zur Entwicklung notwendige Kapital gewährte er aus eigener Kraft, und er behielt die Unternehmung im Familieneigentum. Das hat gleichzeitig auch bedeutet, dass ein jeder in der Fabrik den eigenen Aufgabenbereich hatte, die Familien haben ihr Privatleben den gemeinsamen Zielen unterstellt. 
Unter der Leitung von Miklós Zsolnay fing die Generation der Zsolnay-Enkelkinder zu arbeiten. Von den Enkelkindern von Vilmos Zsolnay trat zunächst Tibor Mattyasovszky-Zsolnay in den Fabrikdienst 1905 ein. Ab 1907 fing Zsolt Mattyasovszky-Zsolnay ab 1907 als Chemiker tätig zu sein. Miklós Sikorski-Zsolnay studierte auf den Wunsch seines Vaters als Architekt aus, und war in der Pyrogranit-Abteilung der Fabrik tätig.



Mausoleum

Das Zsolnay-Mausoleum wurde nach dem 1900 eingetretenen Tode des Fabrikgründers von seinem Sohne, Miklós Zsolnay aufgrund der Entwürfe des Schwiegersohnes, Tadeusz Sikorski, auf dem mit der Fabrik angegrenzten Hügel erhoben. Die Bauarbeiten und die Bodenarbeiten begannen 1901. An dem bis 1913 andauernden Aufbau des Gebäudes waren alle Arbeiter der Fabrik beteiligt, bis zu den kleinsten Details wurde alles von ihnen angefertigt. Das Mausoleum ist gebührende Ehrenbezeigung des Geistes des Großen Töpfers, und eine prachtvolle Zusammenfassung von allem, was sich die Zsolnay-Fabrik vorstellte und geschaffen hat.



Schwierigkeiten nach dem I. Weltkrieg

 
Am 14. November 1918 wurde der südliche Teil des Komitates Baranya samt Pécs von serbischen Truppen besetzt. Miklós Zsolnay, da er befürchtete, von den Serben gefangen genommen zu werden, zog nach Budapest, wo er 1922 gestorben ist. Nachher wurde die Fabrik von seinen drei Neffen, Tibor Mattyasovszky-Zsolnay, Zsolt Mattyasovszky-Zsolnay und Milós Sikorski-Zsolnay gemeinsam geleitet. Die neue Geschäftsführung musste sich jedoch mit ernsten Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Wegen der Auflösung Österreich-Ungarns, des Friedensvertrags von Versailles hat Ungarn erheblichen Teil seiner Rohstofffundorte und Absatzmärkte verloren. Das wirkte auch auf die Aktivitäten der Zsolnay-Fabrik aus, während sie auch die Inflation zu bewältigen hatte. Wenn Gewinn erreicht wurde, mussten sie für Investitionen aufgewandt werden, daher konnten die Erben ihren Geschäftsanteil nicht bekommen.


Die Epoche der Zwischenkriegszeit

Nach dem I. Weltkrieg und dem Zerfall der Doppelmonarchie nahm die Nachfrage nach Kunstgegenständen und Pyrogranit ab. Der Maschinenpark wurde veraltet, und auch das breite Produktsortiment war nicht mehr zu vertreten. Daher fing die Generation der Enkelkinder an, die Fabrik umzugestalten.

Es war offensichtlich, dass neben Vervollkommnung der Elektroporzellan-Herstellung im allgemeinen zur Produktion von Porzellan zu wechseln ist.

1935 war die Fabrik am Rande des Bankrottes. Es musste die viertägige Arbeitswoche eingeführt werden, und die Unternehmung musste 200 Arbeiter entlassen. Es ist also kein Wunder, dass die Herstellung von Kunstgegenständen eingestellt wurde. Die Produktion von künstlerischen Porzellanstatuten begann 1926.

 

Die Verstaatlichung

Am Karfreitag 1948 wurde Tibor Mattyasovszky-Zsolnay nach seiner Ankunft in der Fabrik mit Verweis auf eine ministeriale Anordnung zum Verlassen des Betriebs aufgefordert. Ab 1945 übten die Mitglieder der Kommunistischen Partei auch in der Zsolnay-Fabrik Propaganda aus. Die Familienmitglieder, von denen manche von im Fabrikgelände lebten, traf diese Maßnahme jedoch unerwartet. Weder ihre persönlichen Güter, noch ihre in der Fabrik befindliche Kunstsammlung konnten sie mitnehmen. Für die Mitglieder der Zsolnay-Fabrik begannen schwierige Jahre. In der Fabrik sollten die bürgerlichen Traditionen planmäßig abgeschafft werden, worunter vor allem die Herstellung von Kunstgegenständen verstanden wurde. Nach jahrelangen Heimsuchung wird in der berühmten Fabrik auch heute produziert, in die Arbeit bietet die Schaumanufaktur Einblick.